Nordverlängerung A 14

Die grünste Autobahn Deutschlands

Straßenbau und Naturschutz. Das sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille. Wie beide miteinander vereinbart werden können, belegen die Planungen für die Nordverlängerung der A 14 auf eindrucksvolle Weise. Nicht ohne Grund heißt es, dass zwischen Magdeburg und Schwerin die „grünste Autobahn Deutschlands“ entsteht.

Strenge Gesetze spiegeln das in den vergangenen Jahrzehnten gewachsene Umweltbewusstsein wider. Da der Bau einer Straße immer mit einem Eingriff in Natur und Landschaft verbunden bleibt, ist eine der wichtigsten Aufgaben der A 14-Planer, dieses Spannungsverhältnis unter Einbindung von Bevölkerung und Naturschutzverbänden zu lösen. Oft wird um die beste Lösung gerungen. Schon lange vor Baubeginn ist daher „grüner Sachverstand“ gefragt.

Nicht nur weil die geplante Strecke besonders geschützte Naturräume berührt, galt es die Auswirkungen der Autobahn auf die Lebensräume von Vögeln, Fledermäusen, Amphibien, Insekten, Fischottern, Zauneidechsen, Ringelnattern und vieler anderer Arten zu untersuchen und die Tiere gegebenenfalls umzusiedeln. Sogar bereits abgestorbene Bäume wurden geborgen und an anderer Stelle wieder aufgestellt. Denn in solchem „Totholz“ leben stark gefährdete Käferarten wie der Eremit.

Mit sogenannten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden Flächenverbrauch und Habitatverluste kompensiert und für Wildtiere Möglichkeiten geschaffen, damit sie ihre angestammten Reviere weiter erreichen können. Allein auf dem Autobahnabschnitt in Sachsen-Anhalt zwischen Dahlenwarsleben und der Landesgrenze zu Brandenburg wird es zahlreiche Querungen geben. Die Brücken oder Unterführungen bieten verschiedenen Tierarten eine sichere Passage. Dazu zählen Rehe, Hasen oder Amphibien. Aber auch Fischotter und Fledermäuse sollen mit den mehr als 70 Brücken und Unterführungen geschützt werden.

Für den A 14-Lückenschluss wurden viele innovative Konzepte für beide Belange – Straße und Natur – gefunden. So entstand in der Colbitz-Letzlinger Heide aus einem früheren militärischen Bunker ein „Fledermaushotel“. Das Quartier wurde von den scheuen Tieren schon nach kurzer Zeit besiedelt. Auf dem bereits fertig gestellten Abschnitt bei Colbitz setzt ein 26 Meter breites Bauwerk nicht nur ein architektonisches Zeichen. Es dient sowohl als Wildbrücke, als auch dem landwirtschaftlichen Verkehr. Insgesamt wurde in diesem knapp 5,7 Kilometer langen Stück rund ein Viertel der Gesamtbausumme von fast 61 Millionen Euro für Naturschutzmaßnahmen ausgegeben.

Ähnlich hoch ist der Aufwand an der gesamten Strecke, um den hohen Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes gerecht zu werden.  Bei aller Sorge um Flora und Fauna soll der Mensch nicht zu kurz kommen. So sind, unter anderem bei Lüderitz, auch umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen.

Umweltschutz- und Ausgleichsmaßnahmen

Fledermausbrücke im Zuge der Autobahn 14
Fledermausquerung BW 13Ü bei Colbitz
Mann hält eine Fledermaus
Fledermäuse gehören zu den geschützten Arten (Archivbild)
Grünbrücke im Zuge der Autobahn 14
Grünbrücken schützen Arten und verbinden angestammte Lebensräume
Entwässerungsbecken an der Autobahn 14
Entwässerungsbecken für die Aufnahme von Regenwasser

Eine Brücke für Fledermäuse und Menschen

Ganz in der Nähe der Autobahn leben 80 seltene Fledermäuse. Wenn sie nachts auf Nahrungssuche gehen verlassen die unter Artenschutz stehenden Tiere den Dachstuhl der evangelischen Kirche in Colbitz und fliegen in Richtung A 14. Die Autobahn durchkreuzt ihr Revier, der Verkehr ist eine unüberwindbare Hürde für die Fledermäuse. Um die Tiere zu schützen, haben die Autobahnplaner an der Strecke Leiteinrichtungen und Querungshilfen geschaffen. Die 1,8 Millionen Euro teure Brücke auf halber Strecke zwischen Mose und Colbitz, spielt dabei eine entscheidende Rolle und ist in ihrer Art beispielgebend für ähnliche Projekte. Nicht nur, weil diese 26 Meter breite Überführung einen landwirtschaftlichen Weg und eine Grünbrücke vereint. Die Belange von Straßen- und Landschaftsbau galt es hier auf spezielle Weise zu verbinden. Auch bei den verwendeten Materialien wurden unkonventionelle Wege gegangen.

Üblicherweise haben Brückenbauer das Problem, Wasser möglichst effektiv abzuleiten. Bei Grünbrücken ist es aber wichtig, dass eine Wasserbevorratung auf dem Objekt stattfindet, um Leitstrukturen, wie zum Beispiel Sträucher und Hecken dauerhaft auf diesen „trockenen“ Spezialstandorten zu etablieren. Diese Herausforderung wurde hier unter anderem durch die Verwendung eines speziellen Granulats aus Ziegelsteinen gelöst. Das umweltfreundliche Material wird aus unbelasteten Fehlchargen der Ziegelproduktion gewonnen, die ansonsten auf der Abfalldeponie landen würden.  Die Entwicklung machte in Fachkreisen bundesweit von sich reden und ist sogar in das Forschungsprojekt „Vegetationstechnik auf Grünbrücken“ der Bundesregierung eingegangen. Die Erfahrungen aus Colbitz flossen in die Projektierung weiterer Überführungen auf der A 14-Nordverlängerung ein.

Das Konzept geht augenscheinlich auf, wie die Samen der Pflanzen, die aufgebracht wurden. Inzwischen grünt und blüht es wie vorgesehen und ein Monitoring zeigt, dass auch die Fledermäuse „ihre“ Brücke angenommen haben. In den ersten Jahren ist der Pflegeaufwand für den Erstbewuchs noch recht hoch und regelmäßiges Gießen unabdingbar. Nach und nach werden aber Pflanzen der Umgebung das Objekt erobern. Diese stellen dann die standortangepasste Begrünung dar, die langfristig und bei geringem Pflegeaufwand die Leitfunktion gewährleisten wird. Die Brücke wird faktisch mit ihrem Umfeld verwachsen.

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